Naturheilkunde TEN

Was ist Naturheilkunde TEN?

Die Traditionelle Europäische Naturheilkunde (TEN) ist ein Jahrtausende altes Medizinsystem, welches erst im 19. Jahrhundert vom Modell der heutigen Schulmedizin verdrängt wurde. Wie in anderen Kulturen (man denke an die Traditionelle Chinesische oder die Ayurvedische Medizin) kennt auch die westliche Tradition ein Wissensystem mit riesigem Erfahrungsreichtum und Therapiekonzepten, welches sich in den vergangenen 2500 und mehr Jahren entwickelt hat.  Die TEN ist also viel mehr, als nur ein Sammelsurium von diagnostischen und therapeutischen Verfahren. Sie ist eine immer wieder faszinierende, eigenständige Heilkunst, welche sich nach den Gesetzen und mit den Mitteln der Natur richtet. Viele ihrer Methoden sind zwar heute noch bekannt (bspw. Kneipp-Anwendungen), aber sie werden oft eigenständig und nicht zusammenhängend praktiziert.

Die grosse Stärke der TEN-Heiltradition ist aber ihre ganzheitliche Sicht (dazu weiter unten mehr), die verschiedenste Aspekte zu vereinen vermag: Medizin, Physik, Chemie, Humorallehre, aber auch Philosophie, Signaturenkunde und Heilpflanzenlehre.

Einige wesentliche Elemente, Diagnosemittel und Therapiemethoden der TEN sind (die Liste ist nicht abschliessend):

  • Humoralmedizin (Lehre der 4 Säfte)
  • Temperamentenlehre
  • Gesundheits-, Krankheits- und Heilungsprinzipien
  • Naturheilkundliche Untersuchungsmethoden (bspw. Iris-, Zungen-, Puls- und Antlitzdiagnostik)
  • Einbezug schulmedizinischer Untersuchungsergebnisse
  • Aus- und Ableitungsverfahren (bspw. Baunscheidtieren, Blutegel, Schröpfen, Wickel)
  • Manuelle Therapien (kl. Massage, Fussreflexzonen, Viszeralmassagen, NST etc.)
  • Ernährung
  • Präventionsberatung

Die ganzheitliche Sicht

Während meiner Ausbildung zum Naturheilpraktiker TEN ist mir ein, wie mir scheint, ausgezeichneter Vergleich untergekommen, welcher den Unterschied der ganzheitlichen Sicht der TEN und der vorherrschenden, schulmedizinischen Betrachtungsweise anschaulich aufzeigt:

Der Schweizer Künstler, Komiker und Kabarettist Ursus Wehrli räumt seit Jahren Kunst auf. Das sieht dann bspw. so aus:

Kandinsky’s „Roter Fleck II“

und in Wehrli’s „aufgeräumten“ Variante:

Das Original von Kandinsky gibt als Gesamtkunstwerk einen Blick auf das Bild frei. Es zeigt die Vorstellung des Künstlers einer „symphonischen Komposition“ (Hauptformen und untergeordnete Formen).

Urs Wehrli räumt das Bild auf, analytisch und ordentlich. So wird zwar ersichtlich, wie viele rote, orange, grüne, gewellte und runde Teile oder Linien das Bild aufweist. Aber dadurch verliert das Gemälde seine Aussage und seine Kraft. Das Kunstwerk ist in der aufgeräumten Form nicht mehr erkennbar.

Den Menschen als ganzes Wesen (als Gesamtkunstwerk) zu betrachten und erfassen ist ein grundlegendes Anliegen der Naturheilkunde. Diese ganzheitliche Sichtweise ermöglicht es, den Menschen möglichst vollständig wahrzunehmen. Denn auch hier ist das Ganze mehr, als die Summer seiner Teile. Das sich Festlegen auf einzelne Laborparameter, Symptome oder Krankheiten (wie in der Schulmedizin leider üblich), führt unweigerlich zu einer begrenzten – und eingrenzenden – Sicht. Das Gesamtkunstwerk Mensch ist nicht mehr sichtbar.

Die Naturheilkunde hingegen sucht das Gesamtbild zu erfassen – auch wenn dabei einige analytische Details „unscharf“ bleiben. Sie weiss aber um die Bedeutung der pathologischen Situation und sucht diese zu beeinflussen. Die Stärke der TEN ist gerade diese Unschärfe – die Details treten in den Hintergrund – das Gesamtbild ist wichtiger.

Ablauf einer Behandlung

In einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) erläutert der Patient den Grund seines Besuchs, seine Beschwerden und deren Entstehungsgeschichte. Klärende Fragen durch den Therapeuten, sowie situationsangepasste, diagnostische Verfahren (z.B. humoralmedizinische Analyse, Iris- und/oder Zungendiagnose) ermöglichen die Erstellung eines Gesamtbilds. Dazu gehören auch Informationen über Körperfunktionen, Lebensweise (Diaita) und Ernährung, Schlaf, emotionale Aspekte, sowie aktuell eingenommene Medikamente, Krankheiten in der Herkunftsfamilie, Impfungen, Operationen und vorgängige Therapien. Wo nötig werden zusätzliche Informationen und Parameter berücksichtigt oder erhoben (bspw. Laboranalysen, kinesiologische Austestungen, Bioresonanz oder vorhandene schulmedizinische Befunde).

Auf der Basis dieser Gesamtschau wird ein individueller Therapieplan erarbeitet, welcher sowohl die Linderung der aktuellen Beschwerden, als auch die Stabilisierung der konstitutionellen Situation (Konstitutionstherapie) anstrebt. Je nach Fall kann dieser Plan unterschiedliche Verfahren beinhalten, wie bspw. manuelle oder physikalische Verfahren, Vorschläge zur Anpassung des Lebensstils, Ernährungsvorschläge, Heilpflanzenmischungen oder Ergänzungspräparate (Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine, Enzyme, Aminosäuren usw.).

Behandlungen: Wie lange/wie oft

Ein Ersttermin dauert je nach Beschwerdebild und Therapie ca. 60 – 90 Minuten, Folgetermine je nach Therapie und Häufigkeit der Termine ca. 30 – 60 Minuten. Manuelle Therapien verlangen anfänglich oft nach häufigeren Terminen bis zu 3 x pro Woche; für andere Therapien können 1- 4 x pro Monat ausreichen.