Phytotherapie

Geschichte der Pflanzenheilkunde

Die Phytotherapie oder Pflanzenheilkunde gehört mit Sicherheit zu den ältesten Heilmethoden überhaupt und wird in den unterschiedlichsten Kulturen angewandt. Schon die Urvölker der Erde machten sich die Früchte der Natur zunutze. Zu dieser Zeit wurde kein Unterschied gemacht zwischen materieller und spiritueller Heilung – der ganzheitliche Ansatz wurde (un)bewusst verfolgt. Im Verlauf der Zeit und insbesondere seit der Entwicklung der modernen Wissenschaft und der Industrialisierung/Technisierung ist dieses Wissen in Vergessenheit, ja teils sogar in Verruf geraten. Jedoch bildet es auch heute die Grundlage aller Medizin!

Pflanzen (griech. phyton= Gewächs) waren früher die einzigen Heilmittel. Sie lieferten auch die Grundstoffe für die Herstellung der ersten Medikamente. Der Begriff Phytotherapie wurde vom französischen Arzt Henri Leclerc begründet. Er bezeichnet mit Phytotherapie die Wissenschaft der Vorbeugung und Behandlung von Erkrankungen mit Pflanzen oder Pflanzenteilen. Heilpflanzen sind ein wahres Wunder der Natur: sie sind leicht zugänglich und vielseitig anwendbar. Je nach Zubereitungsform und verwendeten Segmenten können aus einer Pflanze gänzlich unterschiedliche Arzneien zubereitet werden. Eine Arzneipflanze (oder Auszüge davon) kann als Tinktur, Tee, Saft, Crème, Salbe, Emulsion, zusammen mit Wickeln oder als Inhalationsmittel eingesetzt werden. Je nach Zubereitungsart werden andere Inhaltsstoffe aus den Pflanzenteilen gelöst; entsprechend anders ist die Wirkung.

Meilensteine der Entwicklung der Pflanzenheilkunde

Europäische Heilkunde

In den 1950er Jahren wurde i Irak ein ca. 60’000 Jahre altes Grab entdeckt, deren Tote auf Pflanzenbüscheln aufgbahrt waren. Die Analyse der Pflanzen ergab Erstaunliches: es handelte sich um über 25 verschiedene Heilfpflanzen, die auch heute noch zum Einsatz kamen. Unter anderem Schafgarbe, Beifuss oder Wegerich. Dies kann zumindest als Indiz gewertet werden, dass schon in frühester Zeit der Gebrauch von Heilpflanzen üblich war.

Die im Eis gefundene, mumifizierte Leiche des Ötzis – immerhin auf ca 5’000 Jahre alt geschätzt – führte in einem Beutel eine Vielzahl unterschiedlicher Kräuter mit sich.

Auch in Ägypten häuften sich die schriftlichen Belege für die Pflanzenheilkunde. Etwa 1900 v.Chr. dürfte die Heilkunst des Ayur-Veda („Lehre vom langen Leben“) entstanden sein. Entsprechend viele eindrucksvolle Funde wurden in ägyptischen Königsgräbern entdeckt. Sie lassen auf eine vielfältige Nutzung des Heilwissens schliessen.

Um das 5. Jahrhundert v.Chr. stellte Hippokrates seine bis heute bedeutende Gesundheitslehre auf – der hippokratische Eid bildet nach wie vor die Grundlage des Schaffens eines jeden Mediziners.

In der Zeit von Tacitus schuffen auch die Römer unterschiedliche Verfahren und Heilkunden in Bezug auf natürliche Heilmethoden, welche später von den Germanen teilweise übernommen wurden (diese nutzten aber auch das Wissen der keltischen Druiden).

Unter der Führung von Karl dem Grossen wurden Heilpflanzen und Gewürze geregelt angebaut.

Im 12. Jahrhundert beschreibt Hildegard von Bingen in ihrem Werk „Physica“ akribisch und detailliert die heimischen Pflanzen und macht sich damit „unsterblich“.

Von Goethe bis Pfarrer Kneipp (Kneipp-Verfahren), Johann Künzle und Rudolf Steiner – unzählige Menschen trugen seither Ihren Teil dazu bei, die Phytotherapie als das bekannt zu machen, was sie ist: eine unerschöpfliche Quelle der Heilkraft.

Chinesische Heilkunde

Parallel zu den Entwicklungen in Mesopotamien, Türkei, Griechenland und Europa baute sich auch in China ein sehr umfassendes Wissen um die Heilkräfte der Natur auf. Kaiser Shennong, ca 3’000 v.Chr. entwickelte eine umfassende Bibliothek über die Wirkweisen von über 200 verschiedenen, pharmakologisch wirksamen Pflanzen und ihre Anwendung. Auch wenn das Alter des von ihm geschriebenen Buches von einigen Forschern auf ca 2’000 Jahre geschätzt wird, ist dennoch überliefert, dass der Kaiser die Pflanzen im Selbstversuch testete und der Überlieferung nach auch die Teekunst entwickelt habe.